Linke Perspektiven auf die Verfolgung der Uigur*innen (Kundgebung 17.04.2021)

Initiative: Uyghur Solidarity Campaign UK 
Homepage: https://uyghursolidarityuk.org/ 
Twitter: @CampaignUyghur

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Liebe Genossinnen,

Wir von der Uyghur Solidarity Campaign UK senden unsere Solidarität an euch alle, die ihr heute in Leipzig demonstriert! Unsere Kampagne wurde ins Leben gerufen, um Solidarität in der Arbeiterbewegung und in der Linken zu organisieren, für den Kampf des uigurischen Volkes für seine Freiheit und gegen den Genozid an ihnen. Wir sind erfreut zu sehen, dass sich weltweit immer mehr Stimmen der Solidarität mit den Arbeits- und Befreiungskämpfen in China und seinen kolonisierten Gebieten erheben.In der zunehmenden Rivalität der Supermächte zwischen den westlichen Staaten und China wächst der Druck, sich für eine Seite zu entscheiden. Die beiden Seiten beanspruchen, zwei unterschiedliche Visionen für die Welt zu repräsentieren. Und doch gibt es einige auffällige Parallelen zwischen diesen Rivalen.In China wie im Westen klafft eine große Ungleichheit zwischen denen, die den Reichtum produzieren und den herrschenden Klassen, die davon profitieren.In China, wie auch im Westen, wird die Rhetorik des „Krieg-gegen-den-Terror“ als Deckmantel für rassistische anti-muslimische Politik benutzt.In Xinjiang, oder Ostturkestan, wie die Uiguren ihre Heimat nennen, beraubt eine kolonisierende Macht die Bevölkerung ihres Landes und ihres Rechts auf Selbstbestimmung und führt nun eine aggressive Kampagne umfassender Unterdrückung ihrer Kultur, Religion und Sprache – ähnlich wiees die europäischen Imperien vor ihr getan haben.Wenn Uigurinnen, Kasachinnen, und andere Minderheiten in Xinjiang zur Zwangsarbeit auf Baumwollfeldern und in Fabriken eingezogen werden, arbeiten sie nicht nur für die Profite chinesischer Kapitalisten und Staatsbürokraten, sondern auch für westliche Konzerne. Und es sind sowohl westliche als auch chinesische Hightech-Konzerne, die um den Verkauf der Überwachungsgeräte und -software an die Polizei konkurrieren, die diese Menschen am Ende in dieLager und Gefängnisse bringen. Dieselben Tech-Konzerne, die ihre Produkte an Polizeikräfte auf der ganzen Welt verkaufen.Während indigene Völker in Kanada und den USA gegen den Bau von Ölpipelines in ihrer Heimat kämpfen, bohren Chinas Ölfirmen auf uigurischem Land nach Erdöl. Und wir alle werden unter denFolgen leiden, die diese Energiepolitik nach sich zieht.Eine Gruppe von Mächten behauptet, für Freiheit und Demokratie zu stehen, während die andere sich in die rote Fahne hüllt und sich sozialistisch nennt. Aber während sie taktieren, sich gegenseitig anprangern und mit den Säbeln rasseln, kämpft keine von beiden wirklich für ein höheres Ideal als den eigenen Profit und die eigene Macht.Gegen den nationalistischen Diskurs, der verlangt, dass wir uns zur Unterstützung der einen Seite gegen die andere positionieren, ist es unsere Verantwortung, eine Alternative aufzubauen – unsere eigene Seite. Es ist unsere Verantwortung, Verbindungen der Solidarität über Grenzen hinweg zwischen Arbeiterinnen und allen unterdrückten Menschen herzustellen und die Macht in unseren eigenen Händen zu mobilisieren, um all unsere Herrscher und Ausbeuter zu bekämpfen und uns selbst und gegenseitig zu befreien.In Großbritannien haben wir mit unserer Kampagne nicht nur vor der chinesischen Botschaft protestiert, sondern auch vor – und in – den Geschäften der Großkonzerne, die von uigurischer Zwangsarbeit profitieren. Wir haben unsere Argumente innerhalb der Arbeiterbewegung vorgebracht und Unterstützung bei Gewerkschaften und linken Parteien gewonnen. Wir wollen Verbindungen zu den globalen Bewegungen gegen Rassismus, staatliche Überwachung, polizeilicheGewalt und für reproduktive Freiheit aufbauen. Und wir hoffen, dass wir enger mit euch und mit Freunden und Genossinnen auf der ganzen Welt zusammenarbeiten können, die unsere Überzeugungen teilen.Wir betrachten die Macht der Arbeiterinnen als potentiell stärkste Kraft für die Befreiung. Trotz der harten Repression und des Verbots unabhängiger Gewerkschaften brodelt es in Chinas riesiger Arbeiterklasse weiter, es gibt reihenweise Proteste und Streiks gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Wir können unsererseits von der Gewerkschaftsgeschichte lernen: von den schottischen Fabrikarbeitern, die in den 1970er Jahren die Reparatur von Kampfjets der chilenischen Militärdiktaturverweigerten; von den französischen und italienischen Hafenarbeiterinnen, die sich 2019 weigerten, saudische Waffen zu verschiffen; und von den Protesten, die Google dazu brachten, sowohl Verträge mit dem US-Militär als auch die Zusammenarbeit mit der chinesischen Staatszensur aufzukündigen. Der globalisierte Kapitalismus verbindet nicht nur unsere Einkaufsstraßen, sondern auch unsere Arbeitsplätze mit Kämpfen auf derganzen Welt, und das gibt uns Macht – also lasst uns uns gemeinsam organisieren, um sie zu nutzen.Hoch die internationale Solidarität!

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Dear comrades,

We in the Uyghur Solidarity Campaign UK send our solidarity to all of you protesting today in Leipzig! Our campaign exists to bring together solidarity among the workers’ movement and the left for the struggle of the Uyghur people against genocidal persecution and for freedom. So we are heartened to see the growing numbers of voices raised around the world for solidarity with workers’ and liberatory struggles in China and its colonised territories. In the rising superpower rivalry between our states and Beijing, the pressure is on to pick a side. The two sides are supposed to represent two different visions for the world. And yet there are some striking parallels between these rivals. In China, as in the West, there is gaping inequality between those – who produce the wealth – the working class as well as peasants – and the ruling classes who profit from it. In China, as in the West, “War on Terror” rhetoric is used as cover for racist anti-Muslim policies. In Xinjiang, or East Turkestan as the Uyghur people call their homeland, a colonising power has dispossessed indigenous people of their land and their right to self- determination, and it now wages an aggressive campaign to comprehensively suppress their culture, religion and language – much as European empires have done before it. When Uyghurs and Kazakhs are conscripted into forced labour in cotton fields and factories, they are working not only for the profits of Chinese capitalists and state bureaucrats, but Western corporations too. And it is Western as well as Chinese tech giants who are competing to sell the police surveillance equipment and software that will put them in the camps and prisons. The same tech giants selling their wares to racist, brutal police forces the world over. As indigenous people in Canada and the USA fight the construction of oil pipelines in their homelands, China’s fossil capitalists are drilling for oil on Uyghur land. And all of us will suffer the consequences when those fossil fuels are burned. One set of powers claims to be standing for freedom and democracy, while the other drapes itself in the red flag and calls itself socialist. But as they manoeuvre, denounce and rattle their sabres at one another, neither truly fights for any ideal higher than their own profit and power. Against the hawks demanding we line up in support of one side against the other, it is our responsibility to build an alternative – our own side. It is our responsibility to make links and solidarity across borders between workers and oppressed people, and to mobilise the power in our own hands to fight all our rulers and exploiters and to free ourselves and each other. In Britain, our campaign has been protesting not only at the Chinese embassy, but also at – and inside – the high street shops of the corporate giants implicated in Uyghur forced labour. We have been making our arguments within the labour movement and winning support among trade unions and leftwing political parties. We want to build links in global movements around anti-racism, state violence, police surveillance and reproductive freedom. And we hope we can work more closely with you, and with friends and comrades around the world who believe as you and we do. And we are looking to workers’ power as potentially the strongest force for liberation. Despite the harsh repression and the prohibition of independent unions, China’s enormous working class continues to seethe with protests and strikes against exploitation and oppression. For our part, we can learn from trade union history: the Scottish factory workers who grounded Pinochet’s fighter jets in the 1970s; the French and Italian dockers who refused to move Saudi weapons in 2019; and the tech workers whose protests pushed Google to dump both US military contracts and collaboration with Chinese state censorship. Globalised capitalism connects not only our high streets but also our workplaces to struggles all over the world, and that gives us power – so let’s organise together to use it. Hoch die internationale Solidarität!